29. März 2020

Ganz langsam schleicht am Baume

die kleine weiche Raupe

verloren gegen Wind und Welt

verzweifelt sie am Ästchen hängt


Weil Widrigkeit der Raupe droht

wählt sie das letzte Aufgebot

und wandelt in der Nacht sich schon

zu einem gelbfarb‘nen Kokon


Als Morgen gähnt und Kälte wütet

am Aste hängt ganz wohlbehütet

obwohl ihm Wind und Regen drohn

der hartgewordene Kokon


So abgeschirmt zur Außenwelt

der Raupe’s Geist sich nun erhellt

sie tüftelt über Wochen drin

im Inneren so vor sich hin


Hofft stark, dass dies Gefängnis

nicht wird ihr zum Verhängnis

doch Hoffnung stählt die Willenskraft

und Zeit den Rest mit Fleiß sich schafft


Allein mit sich beschäftigt

gedeiht erst schwach, dann prächtig

kann sich aus seidenen Strängen

ein neues Wesen zwängen


Mit ersten Sonnenstrahlen

reißt auch der letzte Faden

und herzlich rauf zum Himmel schwingt

sich – seht – ein bunter Schmetterling!

Der Kokon