22. Juni 2020

Tief in der Welt ganz unter Tage

Zwischen Steinschutt und Geröll

Da lebt seit Jahren nach der Sage

Ein ungewöhnlicher Gesell


So lang im unbekannten Dunkel

Ein Maulwurf fluchend gegen Licht

Durch Schwärze seine Augen funkeln

Doch niemand blickt in sein Gesicht


Welches Geheimnis kann er hüten?

Welch eine Pein bestimmt sein Sein?

So viel Gered‘, so viele Mythen

Was er hier sucht will er allein


Die Zeit, sie rast im dunklen Nichts

Doch auch sein Werk wächst Stück für Stück

Unter der Erde einz’ge Pflicht

Ist echte Suche nach dem Glück


Im Dreck Geburt des Diamant‘

Zernarbt die Hände voller Fleiß

Im Exil wurzelt der Verstand

Gedeiht zu unbrechbarem Geist


So wächst der Stab Tropfen um Tropfen

Zu neuer Größe schwillt der Stein

All den Entbehrungen doch trotzen

Und wiederkehrn im neuen Schein


So fragt euch nicht was aus ihm werde!

Er sagts schon selber mit der Zeit

Bricht er sich frei unter der Erde:

Was wohl der spricht, der so lang schweigt?

Trophonius