Geschichten

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Das Leben besteht aus Geschichten und Geschichten bestehen aus dem Leben.

Um wie viel ärmer wäre die Menschheit, könnte sie keine Geschichten mehr erzählen?

Was vor Tausenden von Jahren am Lagerfeuer begann findet seinen Ausdruck auch hier in Form einiger hoffentlich unterhaltsamer Kurzgeschichten.

Viel Spaß beim (Vor)Lesen!

Der Spielzeugfeuerwehrmann

Dienstag, 22. Dezember 2020

„Wie wohl so ein Leben als Feuerwehrmann war? Bestimmt würde man vielen Leuten helfen und wäre sehr beliebt, außerdem lässt es sich sicher gut leben als Feuerwehrmann“, so dachte Arthur still bei sich und zog immer hin und wieder die kleine Feuerwehrfigur aus seiner Tasche, um sich daran zu erinnern, was für ein schönes Spielzeug er nun hatte.

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Der kleine Leo - Weg für immer

Dienstag, 30. Juni 2020

„Papa, warum muss ich eigentlich immer so früh ins Bett gehen?“ fragte Leo eines Abends enttäuscht, zu gerne hätte er an diesem Tag noch länger draußen gespielt. „Das ist ganz einfach Leo: Wenn es dunkel wird, gehst du ins Bett. Du weißt ja vom Winter wie die Dunkelheit aussieht, das ist im Sommer nicht anderes, nur dass es später dunkel wird, das hat mit den Jahreszeiten zu tun. Wenn du im Sommer länger wachbleiben würdest, würdest du am Tag darauf später aufstehen und nochmal später ins Bett gehen. Das würde so lange gehen, bis du nur noch im Dunklen leben würdest, und das willst du ja auch nicht, oder?“, sprach sein Vater mit ernstem Blick und Leo dachte im Bett noch ein wenig über seine Worte nach. Tatsächlich wäre das ziemlich blöd, wenn es immer dunkel sein würde.

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Momente des Lebens

Dienstag, 5. Mai 2020

Stefan wurde etwas verlegen und antwortete „Naja, ich mache schon viel, ich poste halt einfach nicht alles“, aber es schein, als ob Freddy ihm gar nicht zuhörte, selbstbewusst starrte er immer noch auf sein buntes Display mit den vielen Fotos seines Instagram-Accounts.

„Weißt du Stefan, das Leben ist kurz, man muss es richtig auskosten und da zählt jeder Moment“, erklärte Freddy weiter und machte mit seiner Hand eine lässig-schwingende Bewegung, „ich muss jetzt auf jeden Fall los, denk einfach mal drüber nach und bis morgen“.

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Das Virus

Freitag, 13. März 2020

„Ja da haben wir wirklich ein großes Problem in Deutschland“, antwortete die alte Frau und setzte einen Blick zwischen Betroffenheit und Überlegung auf. „Und wozu das alles führt, weder Nudeln noch Klopapier bekommt man hier mehr“, schimpfte Frau Müller und deutete auf die leeren Regale, in denen nur noch vereinzelt einige Restbestände der teuersten Nudeln zu finden waren.

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Das bitterlich frierende Bienchen

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Leider war es so sehr im Honigsammeln vertieft, dass es eines Tages gar nicht bemerkte, dass es über Nacht Winter geworden war. Das Bienchen hatte bereits einen großen Sack voller leckerem Honig, musste diesen aber zum großen Bienenschloss bringen. Die Bäume im Zauberwald jedoch waren bereits kahl geworden und von einer Zuckerschicht Schnee bedeckt, sodass das kleine Bienchen den Weg nicht mehr finden konnte, alles im Wald sah plötzlich so gleich aus. Und so irrte das arme fleißige Bienchen im Zauberwald umher, es war aber weit und breit kein Bienenschloss zu erkennen.

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Der Kampenwandkrampus

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Im Radio liefen die bekannten Weihnachtslieder, die jedes Jahr wieder ab November Erinnerungen an die letzten Jahre zur Weihnachtszeit weckten und Maxi war in diesem Moment einfach nur glücklich und zufrieden.
„Da, siehst du das Schloss?“ fragte Maxis Vater nach etwa einer halben Stunde Autofahrt und Maxi ergab sich ein fantastischer Anblick: Wie im Märchen thronte das Schloss majestätisch auf seinem hohen Sockel zwischen den Berggipfeln und viele kleine Schneeflocken fielen auf die weißen Turmzinnen. Einen Augenblick später hatten beide auch schon den Wanderparkplatz erreicht, zogen sich die Schneeschuhe an, legten ihre Rucksäcke mit dem Proviant auf den Schlitten und wanderten los, hinein in die zauberhafte Winterlandschaft.

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Die Sonnenwendfeier der Tiere

Donnerstag, 20. Juni 2019

„Mama, Mama, ich muss dir unbedingt etwas zeigen“ schrie das kleine Häschen völlig außer sich, „da ist ein großes gelbes Tier auf der Lichtung!“.
„Ein großes gelbes Tier? So eines kenne ich nicht“, schmunzelte die Häsin mit einem zufriedenen Grinsen, „bist du dir sicher, dass dir die Hitze nicht zu Kopf gestiegen ist?“.
„Nein, nein Mama, ich hab’s mit eigenen Augen gesehen, du musst unbedingt mitkommen!“, flehte das kleine Häschen seine Mutter an, so gerne wollte es wissen, was für ein seltsames Tier dort auf der Lichtung getanzt hatte.
„Na gut“, lachte die Häsin, „ich hoffe aber, der Weg lohnt sich und dein neues Tier ist nicht schon nach Hause getanzt“.

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Warten auf Nichts

Mittwoch, 13. März 2019

Der Junge lachte Maria an und antwortete mit einer angenehmen Stimme: „Weißt du, ich wäre froh, wenn mir in meinem Leben einmal langweilig wäre. Das ist auch der Grund, warum ich nichts tue“.
„Ich verstehe nicht ganz, willst du damit sagen, dass du viel zu tun hast, aber die Zeit im Zug trotzdem nicht nutzt?“ wunderte sich Maria verdutzt über die ungewöhnliche Antwort des Jungen.

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Der große Krieg

Montag, 31. Dezember 2018

Lea war ein wenig perplex, denn was sollte Oma denn fehlen in einer Welt, in der es ihnen scheinbar an nichts fehlte?
„Das musst du mir genauer erklären, bist du nicht glücklich darüber, dass die Zeiten des Krieges mit all ihren Schrecken endlich vorüber sind?“, fragte Lea und blickte hinüber zu ihrer Großmutter.
Die Oma hingegen starrte gedankenversunken auf die große Kirchturmuhr, die mittlerweile fast schon die erste Stunde des neuen Jahres anschlug, als sie mit kratziger Stimme antwortete:
„Du hast Recht, es ist mit Sicherheit ein Segen, dass weltweit Frieden zwischen den einzelnen Ländern herrscht. Das bedeutet aber nicht, dass die Zeiten des Kriegs vorbei sind, schau dich nur um in der Welt: Heute wütet der Hass im Zwischenmenschlichen."

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Der einsame Wolf

Samstag, 22. Dezember 2018

Lediglich bei seinen wöchentlichen Einkäufen traf man den einsamen Wolf in den gemütlichen Läden des Dorfes, wo er regelmäßig von den anderen Bewohnern verspottet wurde. „Hey du geiziger Hund, wagst du es auch einmal wieder dir eine alte Scheibe Brot zu kaufen?“, lästerte der Dorfschmid, als er ihn mit einem Säckchen aus der Bäckerei schleichen sah.
„Seht nur seine Lumpen an, daheim ein Kopfkissen mit Geld gefüllt, aber seit 20 Jahren den selben löchrigen Mantel“, schimpfte der Schneider.
Der einsame Wolf aber schwieg immerzu und ging mit gesenktem Kopf zurück hoch zu seinem kleinen Häuschen auf dem Hügel.

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Der alte Mann und der Brief

Freitag, 30. November 2018

„Genau das ist das Problem der heutigen Gesellschaft: Es wird nicht mehr vor dem Absenden nachgedacht, nicht mehr reflektiert, weil ja sowieso jede unüberlegte Dummheit rückgängig gemacht werden kann. Es ist wie bei den Fotos: vielleicht mag man im Gegensatz zu früher mehr Versuche haben ein wirklich gutes Bild zu schießen, umso mehr versinkt aber der Rest in Belanglosigkeit“.

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