Das bitterlich frierende Bienchen

19. Dezember 2019

Es war einmal ein fleißiges junges Bienchen, das den ganzen warmen Sommer über so viel Honig gesammelt hatte wie kein anderes Bienchen im Zauberwald zuvor. Das Bienchen hatte ein gutes Herz und wollte unbedingt genug Honig sammeln, damit es jedem seiner Bienenfreunde ein saftiges Stück zum Weihnachtsabend schenken konnte.
Leider war es so sehr im Honigsammeln vertieft, dass es eines Tages gar nicht bemerkte, dass es über Nacht Winter geworden war. Das Bienchen hatte bereits einen großen Sack voller leckerem Honig, musste diesen aber zum großen Bienenschloss bringen. Die Bäume im Zauberwald jedoch waren bereits kahl geworden und von einer Zuckerschicht Schnee bedeckt, sodass das kleine Bienchen den Weg nicht mehr finden konnte, alles im Wald sah plötzlich so gleich aus. Und so irrte das arme fleißige Bienchen im Zauberwald umher, es war aber weit und breit kein Bienenschloss zu erkennen.
Es wurde immer kälter und das Bienchen fing an zu frieren, da sah es einen alten weisen Uhu auf einem Tannenästchen sitzen. „Hallo lieber Uhu“ bibberte das kleine Bienchen, „kannst du mir bitte sagen, wo das Bienenschloss ist? Ich muss schnell zu meinen Bienenfreunden und ich friere doch so bitterlich“. „Das Bienenschloss kenne ich“ krächzte der alte Uhu, „ich zeige dir den Weg dorthin. Kannst du mir aber im Gegenzug etwas von deinem leckeren Honig abgeben? Ich habe noch nie einen so schmackhaften Honig gesehen“. Zwar hatte das Bienchen den Honig für seine Freunde gesammelt, aber der Uhu war so nett zu ihm gewesen, und so gab es ihm ein großes Stück ab und sie machten sich auf den Weg.
Nach einigen Flugminuten trafen das fleißige Bienchen und der alte Uhu auf ein Rentier, das die beiden auf den großen Sack Honig ansprach. „Ihr wollt wohl zum Bienenschloss?“ wieherte das Rentier, „ich würde an eurer Stelle aber besser aufpassen. Der Bär wartet im Wald auf die letzten Bienen und will Honig stehlen.“
„Was soll ich denn jetzt tun?“ schluchzte das arme kleine Bienchen, „den schweren Honig kann ich doch nicht so schnell ziehen und ich friere doch so bitterlich“. „Ich kann dir helfen kleines Bienchen“ sagte das Rentier, „ich bin viel schneller als der fette Bär und muss auf meinem Weg in die Stadt sowieso am Bienenschloss vorbei. Kannst du mir im Gegenzug etwas von deinem leckeren Honig abgeben? Ich habe noch nie einen so goldenen Honig gesehen“. Zwar hatte das kleine Bienchen dem Uhu schon etwas Honig abgegeben, aber das Rentier war so nett und so gab es ihm ein großes Stück ab und die lustigen drei zogen weiter Richtung Bienenschloss. Das Rentier lief schnell wie der Wind, sodass der Bär zwar nicht einmal bemerkte, dass ihm ein großer Sack Honig entging, aber das Bienchen auf dem Rücken des Rentiers immer stärker fror.
Das Bienchen hatte sich wohl ziemlich verflogen, denn sie zogen eine ganze Weile durch den Zauberwald, als sie auf einen jungen Schneehasen trafen. „Hallo lieber Schneehase“ bibberte das kleine Bienchen, „kannst du mir bitte helfen? Wir sind schon so lange unterwegs und ich friere doch so bitterlich“. „Du darfst dich gerne in mein weiches Hasenfell kuscheln“ antwortete der Schneehase, „ich komme mit zum Bienenschloss und wärme dich. Kannst du mir aber im Gegenzug etwas von deinem leckeren Honig abgeben? Ich habe noch nie einen so saftigen Honig gesehen“. Zwar war nun fast kein Honig mehr im Sack, aber das Fell des Schneehasen war so schön warm und flauschig, dass es ihm für seine Hilfe den Rest abgab und die kleine Gruppe weiterzog.
Und so kamen die Tiere spät abends endlich am Bienenschloss an. Das Schloss leuchtete in schönstem Honiggold und war festlich geschmückt, und alle Bienchen freuten sich so das kleine fleißige Bienchen zu sehen, denn sie hatten es schon sehr vermisst. Selbst die große schöne Bienenkönigin war gekommen und war mächtig stolz, ein so fleißiges und starkes kleines Bienchen in ihrem Bienenstamm zu haben.
„Ich danke euch so sehr für eure Hilfe“ strahlte das Bienchen den Uhu, das Rentier und den Schneehasen an, „ohne euch hätte ich es wohl nie mehr zum Bienenschloss geschafft. Es war so schön und lustig mit euch, ich hoffe, dass wir uns nächstes Jahr nach dem Winterschlaf wiedersehen können“.
„Dafür sind Freunde doch da“ lachte der alte weise Uhu, „ich bin mir sicher, dass wir uns im Frühling wieder über den Weg fliegen werden“.
„Leider haben wir fast deinen ganzen leckeren Honig weggefuttert“ sagte der Schneehase mit traurigem Gesicht, „du wolltest doch alle deine Bienenfreunde reichlich beschenken“.
„Das macht doch gar nichts“ schmunzelte plötzlich die Bienenkönigin, „wir haben noch nie so viel Honig gesammelt wie dieses Jahr, ihr seid alle herzlich eingeladen mit uns Weihnachten zu feiern“.
„Das ist das schönste Weihnachten meines Lebens“ freute sich das kleine Bienchen und sein Herz ging ihm so auf, dass es den ganzen langen Winter nicht mehr frieren musste.